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Die Illustrationen:
 
Im Jahr 1950 bekam Dali vom Istituto Poligrafico (staatliche Druckerei und Münzprägeanstalt Italiens) den Auftrag, die Göttliche Komödie zu illustrieren.
Dali malte von angekündigten 200 Aquarellen 102, die soweit durch Abbildungen dokumentiert sind und lieferte diese im Jahr 1952 ab.
Die Aquarelle wurden von ihm mit „Dali“ in einem Viereck und der Jahreszahl 1950 – 1952 signiert.
Die italienische Druckerei „Istituto Poligrafico dello Stato“ hatte bereits lithographische Platten für mindestens sieben Grafiken fertig gestellt, auf die Veröffentlichung der Buchausgabe wurde jedoch verzichtet. Als Grund hierfür können Ausstellungen der Aquarelle im Jahr 1954 gewertet werden, die von der italienischen Pressekritik verrissen wurden. Im Jahr 1965 wurde das Werk eines anderen Künstlers publiziert.
Dali behielt das Honorar* der italienischen Regierung und verkaufte die Rechte für ein weitaus höheres Honorar an den französischen Verlag „Les Heures Claires“ (* es wird in der Presse mit einer Million Lire erwähnt, was damals ca. 6.000 D-Mark entsprach).
 
Die Grafiken:
 
Für die Buchausgabe wurden 100 Motive der Aquarelle von einem ursprünglichen Maß von 42x31cm auf 18x25cm verkleinert und laut Literatur und Werkverzeichnis als sogenannte Xylographien gedruckt. 
Eine Xylographie ist ein Holzstich, in dem das Motiv in das sehr harte Stirnholz gearbeitet wird. Die französische Arbeitsbeschreibung nennt die Drucktechnik der Grafiken noch „gravures sur bois“, erst anderssprachige Kataloge schreiben von Xylographien oder Holzschnitten.
Diese Angabe Xylographie ist fehlerhaft, da es sich bei den in Umlauf befindlichen Druckstöcken um auf Tischlerplatten montierte Kunstharzplatten handelt (auf der Website www.dante-2000.de/xylograph.pdf ist ein Druckstock abgebildet).
Die Aquarellvorlagen wurden teilweise photomechanisch, teilweise manuell, in die verkleinerten Grafiken umgewandelt. 
Damit die Leuchtkraft der Originale auch in den Grafiken wiedergegeben werden konnte, mussten die Blätter in sehr vielen Farben gedruckt werden. Genau dieser Fakt macht die Göttliche Komödie aus drucktechnischer Sicht interessant. Pro Blatt wurden im Durchschnitt über 30 Farben verwendet, insgesamt wurden ca. 3500 Druckstöcke geschaffen. Für die Herstellung der Druckstöcke benötigten die beiden Xylographen Raymond Jaquet und Jean Tirico ganze 55 Monate von April 1959 bis November 1963.
 
Die Edition:
 
Die Buchausgabe der Göttlichen Komödie mit Dalis Illustration erschien 1959-63 bei Les Heures Claires, Paris in 6 Bänden. Im Jahr 1964 erschien eine italienische Edition bei Arti e Scienze - Salani, Florenz.
Die Grafiken sind generell nicht per Hand signiert wurden, da die Blätter in Buchform mit den Texten der  Göttlichen Komödie angeboten wurden.
Die Erstauflage der Grafiken wurde bis auf das erste Motiv (Bild 1/2) und Bild 43/46 ohne Druckstocksignaturen gedruckt, die Signaturen der originalen Aquarelle wurde nicht mit reproduziert.
Erst später wurden die Blätter erneut mit den rötlichen Druckstocksignaturen überdruckt. Beim Exemplar mit der Nummer 2000 gibt es noch keine Druckstocksignatur, beim Exemplar mit der Nummer 2102 hingegen schon.
Es ist davon auszugehen, dass bei den Signaturen einige Druckstöcke für mehrere Blätter verwendet wurden, da sich einige Signaturen verschiedener Blätter sehr ähneln.
Laut dem Werkverzeichnis Michler/Löpsinger gibt es eine nummerierte und signierte Auflage von 150 Exemplaren. Signiert mit farblichen Stift – Rot für die Hölle, Purpur für das Fegefeuer und Blau für das Paradies. Die Angabe im Werkverzeichnis ist jedoch nicht ganz Eindeutig, da weitere signierte Blätter existieren, zum Beispiel eine vorderseitig von Dali und rückseitig vom Verleger Joseph Fôret mit Bleistift signierte Edition. Es existieren wohl auch Blätter mit Gefälligkeitssignaturen. Auch die Angabe im Werkverzeichnis, dass es nur signierte Blätter mit Druckstocksignatur gibt ist wohl nicht zutreffend. Dennoch handelt es sich beim größten Teil der mit Signatur angebotenen Grafiken wahrscheinlich um nachträglich durch fremde Hand aufgebrachte gefälschte Signaturen.
Die Grafiken der Göttlichen Komödie gelten, soweit es sich um die sogenannten Xylographien handelt, als relativ Fälschungssicher, da sich der enorme Aufwand zur Herstellung von Falsifikaten nicht lohnen würde.
Es wurden immer 4 Motive auf einen Boden gedruckt und danach geschnitten. Aus diesem Grund sind einige Seitenränder regelmäßig (geschnitten) die anderen unregelmäßig (Papierrand). Pro Bogen gab es nur ein Wasserzeichen, sodass nur vereinzelte Blätter Wasserzeichen tragen.
In den Jahren 1999 bis 2004 erschienen im lithographischen Verfahren gedruckte Reproduktionen von zehn Grafiken in der Originalgröße der Aquarelle in Paris.
 
Die Dekompositionen:
 
In den Luxuseditionen der französischen Buchausgabe waren in 865 Exemplaren jedem der 6 Teilbände Dekompositionen beigelegt.
Dekompositionen sind Farbaufteilungen zu einem Motiv und stellen den Druckfortschritt und die verwendeten Farben dar. In den Farbaufteilungen ist gut zu erkennen, wie die Leuchtkraft der Grafiken erzeugt wird, teilweise sind 3 bis 5 Töne der gleichen Farbe übereinander gedruckt um dies zu erzielen.
 
Auflagenhöhe:
 
Im Werkverzeichnis von Michler/Löpsinger ist von 4765 Exemplaren der französischen Ausgabe die Rede. Jedoch existieren noch Ausgaben in anderen sprachen, zum Beispiel eine italienische Buchausgabe mit französischem Text aus dem 19. Jahrhundert die in Florenz erschien. Die französische und die italienische Ausgabe enthalten Nachweise zu den Auflagenhöhen. 3188 Exemplare wurden für die italienische Ausgabe gedruckt.
Die Auflagenhöhe der Ausgabe mit gekürztem deutschem Text ist nicht bekannt. Zur Auflage kommen zudem noch die Blätter der Dekompositionen hinzu, so dass von weit mehr als 7953 Exemplaren pro Motiv ausgegangen werden muss.
Nach meiner Kenntnis wurden die Dekompositionen nur der französischen Ausgabe beigelegt. 
Die italienische Ausgabe wurde mit dem Text auf der Rückseite bedruckt.
 
 
Unklarheiten bei Bildzuteilung und Forschungsergebnisse:
 
Schon ein flüchtiger Leser der Comedia erkennt, dass manche der Illustrationen Dalís ganz eindeutige kurze Episoden des Textes bildlich darstellen. Aber erst im Jahr 1999 fand Wolfgang Everling durch bewusste Suche im Text, dass das für alle Illustrationen zutrifft.  Dieser Zusammenhang ist in verschiedenen Fassungen veröffentlicht:
- ebdsa 1999 (durch Link aus www.dante-2000.de zugreifbar)
- Jahrbuch der Deutschen Dante Gesellschaft (DDG) 2000
- ISBN 3-00-009150-5 (ISBN 3-00-011853-5 in Englisch), W. Everling - D. Aligheris Göttliche Komödie mit Illustrationen von S. Dali
- ISBN 978-3-8260-3640-8, W. Everling - S. Dali als Autor, Leser und Illustrator
Dabei zeigte sich, dass Dalí seine Motive recht willkürlich ausgewählt hat. Aus einem der hundert Gesänge der Comedia wählte er drei Motive, aus vielen zwei oder eins, und darum aus manchen gar keins.
Schon Forêts Werbekatalog für die französische Buchausgabe zeigte, wie hundert der Aquarelle auf hundert Gesänge - eines für jeden Gesang - verteilt werden sollten. Dadurch konnten viele Illustrationen nicht dem Gesang zugeordnet werden, der ihr Motiv beschreibt. Das ist seit jeher bei vielen illustrierten Texten geschehen, welche es dem Leser überließen, den Zusammenhang selbst zu finden.
Forêts Katalog ging aber leider so weit, jedes Bild mit einem Titel und einer Textpassage aus dem umliegenden Text zu versehen, die in vielen Fällen nicht zu dem dargestellten Motiv stimmten. Die italienische Ausgabe macht ähnliche Angaben in einer mitgelieferten Liste - und wich dabei mehrfach von Forêts Zuordnung ab, weil italienischen Lesern Dantes etliche von Forêts Angaben sofort als unsinnig auffielen.
Spätere Autoren haben auch aus den unstimmigen Texten falsche Deutungen der Bilder abgeleitet. Dalí hat später solche Missdeutungen als Ergebnis seiner Träume bezeichnet und auch die Verantwortung für sie seiner Frau Gala angelastet.
Der Katalog von Löpsinger/Michler benutzte die Angaben von Forêt. Albert Fields Official Catalog zeigt die Bilder in der italienischen Reihenfolge, gibt aber Titel und Zitate wie Forêt an. Später nannte er diese Verwirrung einen Sumpf (englisch: quagmire). Die Website www.dante-2000.de/quagmire.pdf vergleicht die Motiv-Ordnung mit denen der beiden Buchausgaben.
 
Die Zuordnung laut den Forschungen von Wolfgang Everling wird bei der Benennung der gezeigten Grafiken auf dieser Website erwähnt. 
An erster Stelle steht die geläufige aber fehlerhafte Zuordnung laut der Erstausgabe von Les Heures Claires, Paris, an zweiter Stelle kursiv die Zuordnung laut den Forschungen von Wolfgang Everling.
 
Weitere Literaturtips zur Göttlichen Komödie:
 
Dante Alighieri - Die Göttliche Komödie - Salvador Dali, ISBN 3-87693-081-2
Salvador Dali - Das Goldene Zeitalter - aus der Sammlung Richard H. Mayer, Bamberg
R. Michler, W. Löpsinger - Salvador Dali - Das Druckgraphische Werk II, ISBN 3-7913-1492-0
 
Dieser Text entstand unter der Mitarbeit von Wolfgang Everling - Vielen Dank.
 
Salvador Dali - Grafiken / Illustrationen zur Göttlichen Komödie